XRP: 131,94 Millionen ETF-Zuflüsse trotz Absturz
XRP fällt auf Jahrestief, während institutionelle Anleger Rekordsummen in ETFs investieren. Analysten sehen asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil.

Kurz zusammengefasst
- XRP fällt auf tiefsten Stand seit November 2024
- Rekordzuflüsse von 131,94 Mio. Dollar in Mai
- CLARITY Act als entscheidender Kurstreiber
- Short-Positionen überwiegen im Verhältnis 9:1
XRP fiel am 5. Juni auf 1,07 Dollar — den tiefsten Stand seit November 2024. Institutionelle Anleger kauften trotzdem. Diese Schere zwischen Kurs und Kapitalflüssen macht XRP zu einem der ungewöhnlichsten Trades im Kryptomarkt.
Breiter Ausverkauf trifft XRP hart
In nur fünf Handelstagen hat der Juni 2026 die gesamten Mai-Gewinne ausradiert. Die Marktkapitalisierung der gesamten Kryptobranche fiel um gut 15 Prozent. XRP verlor dabei knapp 17 Prozent — Bitcoin sogar fast 18 Prozent.
Aktuell notiert XRP bei 1,17 Dollar. Das sind rund 68 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar. Der RSI liegt bei 23 — ein Niveau, das technisch als stark überverkauft gilt.
Während des Ausverkaufs am 5. Juni brach XRP kurz unter 1,10 Dollar ein. Käufer griffen erst nahe 1,09 Dollar ein. Das Handelsvolumen schoss in der Spitzenstunde auf 268 Millionen XRP — ein klares Zeichen für liquidationsgetriebenes Verkaufen.
Institutionelle Nachfrage läuft gegen den Trend
Kein anderes großes Krypto-Asset zieht derzeit so konsequent institutionelles Kapital an wie XRP. Im Mai flossen 131,94 Millionen Dollar in Spot-XRP-ETFs — der höchste Monatswert seit dem Launch im November 2025. Seit dem Start haben diese Produkte kumulativ 1,43 Milliarden Dollar eingesammelt.
Der Kontrast ist bemerkenswert. Bitcoin-ETFs verzeichneten im gleichen Zeitraum Abflüsse von rund 2,43 Milliarden Dollar. Ethereum-Produkte verloren etwa 540 Millionen Dollar.
Allerdings zeigen sich erste Risse. Am ersten Handelstag im Juni flossen 5,34 Millionen Dollar aus Bitwise- und Grayscale-Produkten ab. Damit endete eine Serie ohne einen einzigen Abflusstag im Mai.
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Der CLARITY Act als Schicksalsfrage
Der eigentliche Grund, warum XRP so genau beobachtet wird: der Digital Asset Market CLARITY Act. Das US-Gesetz würde XRP offiziell als digitale Ware klassifizieren und die Aufsicht vom SEC zum CFTC verschieben.
Der Senatsausschuss stimmte dem Gesetz am 14. Mai mit 13 zu 0 zu. Seitdem steht es auf dem Legislativkalender des Senats. Für die Abstimmung im Plenum braucht es 60 Stimmen.
Das Weiße Haus hat den 4. Juli 2026 als Zieldatum für die Unterzeichnung ausgegeben. Scheitert die Abstimmung bis dahin, verschiebt sich das früheste mögliche Datum auf September. Aktuell verzögern Debatten über Krypto-Besitzverbote für Bundesbeamte den Prozess.
Galaxy Research schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in 2026 auf 75 Prozent. Galaxy Digital hat diese Einschätzung mit einem institutionellen Trade über 10 Millionen Dollar hinterlegt.
Wale kaufen, Shorts dominieren
On-Chain-Daten zeigen eine klare Spaltung. Die Zahl der Wallets mit mindestens 10.000 XRP erreichte im Mai ein Rekordhoch von 332.230. Wallets mit mindestens einer Million XRP haben seit Januar netto 42 neue Adressen hinzugewonnen — der erste Anstieg dieser Kohorte seit September 2025. Allein im ersten Quartal 2026 akkumulierten diese Großhalter 1,2 Milliarden XRP.
Auf der anderen Seite überwiegen Short-Positionen die Long-Positionen aktuell im Verhältnis 9 zu 1. Das ist ein zweischneidiges Signal. Kommt ein positiver Katalysator — etwa ein erfolgreicher Senatsvotum — könnte ein Short-Squeeze den Kurs weit schneller nach oben treiben, als die Fundamentaldaten allein es rechtfertigen würden.
Standard Chartered sieht XRP bei einem Gesetzeserfolg bei 2,80 Dollar. Optimistischere Schätzungen reichen bis 8 Dollar. Scheitert der CLARITY Act und verschiebt sich auf 2030 oder später, droht ein Rückfall auf rund 0,53 Dollar. Das ergibt ein asymmetrisches Bild: 30 bis 40 Prozent Abwärtsrisiko gegen das 2,5- bis 7-fache Aufwärtspotenzial.
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