XRP: 69 Prozent unter 3,55 Dollar
XRP verharrt nahe des 50-Tage-Durchschnitts, während institutionelle ETF-Zuflüsse einbrechen und Ripple parallel die Infrastruktur ausbaut.

Kurz zusammengefasst
- XRP notiert nahe 1,10 US-Dollar
- ETF-Zuflüsse fallen drastisch
- Ripple startet Stablecoin-Plattform Mint
- Regulierungsgesetz CLARITY Act unsicher
XRP notiert bei 1,10 US-Dollar und bewegt sich damit kaum von seinem 50-Tage-Durchschnitt weg, während sich hinter den Kulissen zwei gegenläufige Entwicklungen abzeichnen: schrumpfende institutionelle ETF-Zuflüsse einerseits, ein deutlicher Ausbau der Ripple-Infrastruktur andererseits. Der Token notiert damit rund 69 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,55 Dollar, das im vergangenen Juli markiert wurde.
ETF-Zuflüsse so schwach wie seit Monaten nicht
Die Nachfrage institutioneller Anleger über börsengehandelte XRP-Produkte ist im Juli spürbar eingebrochen. Benzinga berichtet, die monatlichen Zuflüsse in Spot-XRP-ETFs seien von 131,94 Millionen Dollar im Mai auf nur noch 12,43 Millionen Dollar im Juli gefallen – der schwächste Wert seit April. Die kumulierten Nettozuflüsse liegen weiterhin bei rund 1,49 Milliarden Dollar, das verwaltete Nettovermögen bei knapp einer Milliarde Dollar. Mehrere Marktbeobachter registrierten zudem Tage ohne jeglichen Mittelzufluss in den vergangenen Handelstagen.
Diese Abkühlung steht im Kontrast zu vereinzelten institutionellen Positionsaufbauten: Der Vermögensverwalter Citadel Advisors weitete seine XRP-ETF-Positionen zuletzt auf mehr als 1,7 Millionen Dollar aus, verteilt auf Produkte von Franklin, Bitwise, Canary, Grayscale und Armada. Solche Einzelengagements ändern jedoch wenig am übergeordneten Bild eines nachlassenden ETF-Momentums.
Dritte Abweisung an der 1,16-Dollar-Marke
Charttechnisch bleibt XRP in einer engen Spanne gefangen. Nach Angaben von The Market Periodical hat der Kurs den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt bei 1,16 Dollar bereits zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten zurückgewiesen. Der aktuelle Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 1,11 Dollar beträgt lediglich -1,25 Prozent – XRP klebt also förmlich an dieser Linie, ohne sie nachhaltig zu überwinden. Eine aufsteigende Unterstützungslinie nahe der aktuellen Notierung gilt als kurzfristig entscheidend; ein Bruch würde laut mehreren Analysen Ziele um 1,06 bis 1,00 Dollar eröffnen.
Auf der positiven Seite sieht ein bei The Market Periodical zitierter Analyst namens Jordan den mittelfristigen Aufwärtstrend intakt, mit Zielmarken von 1,9766 Dollar und darüber 3,6403 Dollar. Langfristig orientierte Stimmen gehen weiter: Die Analysten von Standard Chartered rechnen mit 7 Dollar bis 2027, 12,60 Dollar bis 2028 und 28 Dollar bis 2030 – Prognosen, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen und als Ausblick, nicht als kurzfristige Erwartung zu verstehen sind.
Ripple baut institutionelle Schienen aus
Während die Kursentwicklung stagniert, treibt Ripple die Infrastruktur voran. Am 24. Juli startete das Unternehmen die Plattform Mint, über die institutionelle Kunden den eigenen Stablecoin RLUSD per Web-Konsole und API prägen, einlösen und verwalten können. Zu den genannten Partnern zählen Mastercard, JPMorgan, OKX und Ondo Finance. Parallel dazu integrierte die XRP Ledger den Mastercard-Standard Verifiable Intent, der Zahlungen von KI-Agenten ohne klassisches Konto oder API-Schlüssel ermöglichen soll – nach Unternehmensangaben wurden darüber bereits mehr als eine Million agentische Transaktionen abgewickelt.
CTO Emeritus Schwartz wies unterdessen Spekulationen zurück, wonach Ripple einen Teil der im Escrow gehaltenen rund 32 Milliarden XRP verbrennen könnte – ein solcher Schritt erfordere einen Konsens von 80 Prozent der Validatoren und sei nicht geplant.
Regulatorischer Rückenwind bleibt ungewiss
Im Hintergrund bewegt sich auch die US-Kryptoregulierung. Fünf große Vermögensverwalter – BlackRock, Charles Schwab, Fidelity, Goldman Sachs und Grayscale – unterstützen den CLARITY Act, der die Aufsicht über digitale Vermögenswerte zwischen SEC und CFTC aufteilen soll. Das Repräsentantenhaus verabschiedete das Gesetz bereits mit deutlicher Mehrheit, im Senat ist jedoch die 60-Stimmen-Hürde offen. Galaxy Research senkte die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch 2026 zuletzt von 50 auf 30 Prozent, während Wettmärkte wie Polymarket die Chancen bei rund 42 Prozent verorten. Für XRP-Anleger bleibt der Ausgang damit ein offener Faktor, der über die kurzfristige Charttechnik hinaus die weitere Entwicklung mitbestimmen dürfte.
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