XRP: 93 Prozent weniger ETF-Zuflüsse

XRP erreicht erstmals seit November 2024 wieder die Marke von einem Dollar. Schwache ETF-Nachfrage und die Verschiebung des CLARITY Act setzen die Kryptowährung unter Druck.

Redaktion Stock-World ·
Ein minimalistischer Büro-Arbeitsplatz mit einem Laptop, der abstrakte Markttrends zeigt, vor einem verschwommenen Stadtpanorama. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Erstmals seit November 2024 unter einem Dollar
  • ETF-Zuflüsse brechen um 93 Prozent ein
  • CLARITY Act-Abstimmung auf September verschoben
  • Ripple treibt Ledger-Entwicklung trotz Kursschwäche voran

XRP notiert am Dienstag bei 1,01 US-Dollar und verliert im Tagesverlauf 2,24 Prozent. Damit bewegt sich die Kryptowährung nur noch 0,30 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,00 US-Dollar, das erst am heutigen Handelstag markiert wurde. Der Kurs hat damit erstmals seit November 2024 wieder die Marke von einem Dollar berührt – ein Wendepunkt für ein Papier, das seit über 630 Handelstagen ununterbrochen darüber notiert hatte.

Der Rückgang trifft XRP inmitten einer breiteren Marktschwäche: Auch Bitcoin fiel am Dienstag unter 64.000 US-Dollar, während Ether und XRP die Verluste im Kryptomarkt anführten. Für XRP kommt die Schwäche jedoch nicht allein aus dem allgemeinen Marktumfeld – gleich mehrere hausgemachte Faktoren belasten das Papier zusätzlich.

ETF-Nachfrage bricht ein

Besonders deutlich zeigt sich der Vertrauensverlust bei den auf XRP spezialisierten Spot-ETFs. In der Woche bis zum 8. August flossen den Produkten nur noch rund 1,01 Millionen US-Dollar zu – ein Einbruch von 93 Prozent gegenüber der Vorwoche, in der noch 14,86 Millionen US-Dollar investiert wurden.

An einem Handelstag meldeten die Fonds sogar Nullzuflüsse. Parallel dazu hat der Grayscale XRP Trust im ersten Halbjahr 2026 mehr als 103 Millionen XRP im Gegenwert von 180,78 Millionen US-Dollar verkauft und dabei realisierte Verluste von über 34 Millionen US-Dollar verbucht.

Auch auf der Blockchain selbst kühlt sich die Aktivität ab: Die Zahl der Transaktionen auf der XRP Ledger sackte zwischen dem 5. und 9. August um 44,1 Prozent ab. Ein Kontrapunkt bleibt allerdings die Wal-Aktivität: Größere Adressen sollen zuletzt rund 380 Millionen XRP nahe der Ein-Dollar-Marke akkumuliert haben, während Kleinanleger und institutionelle Verkäufer den Kurs drücken.

Regulatorischer Fahrplan verzögert sich

Ein zentraler Belastungsfaktor bleibt die Verschiebung des CLARITY Act im US-Senat. Senator Thune hat die Abstimmung über das Gesetz, das digitale Vermögenswerte regulatorisch einordnen soll, per Cloture-Antrag auf den 15. September verschoben. Für die Verabschiedung sind 60 Stimmen nötig, Streitpunkte betreffen unter anderem Ethikfragen, Belohnungsmechanismen und die Aufsicht über DeFi.

Auf der Prognoseplattform Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr nur noch mit rund 25 bis 26 Prozent beziffert. Kritiker wie Lummis und Armstrong bemängeln, die Verzögerung komme angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen zur Unzeit.

Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Sie gelten als nächster möglicher Kurstreiber für den gesamten Kryptomarkt und damit auch für XRP, das sich bei 1,00 US-Dollar an einer wichtigen technischen Unterstützung befindet. Rutscht der Kurs darunter, gilt die Marke von 0,97 US-Dollar als nächstes Auffangniveau.

Entwicklung auf der XRP Ledger geht weiter

Trotz der Kursschwäche treibt Ripple die technische Weiterentwicklung der XRP Ledger voran. Das Unternehmen unterstützt per Validator-Abstimmung die Vorschläge XLS-65 für sogenannte Single Asset Vaults und XLS-66 für ein Lending-Protokoll.

Bislang kommen beide Vorschläge auf rund 40 beziehungsweise 37 Prozent Zustimmung unter den Validatoren – für eine Aktivierung wären mindestens 80 Prozent über zwei Wochen hinweg nötig. Eine Sicherheitsprüfung durch Halborn ergab keine kritischen Schwachstellen.

Zusätzlich hat Ripple im Juli die volle Lizenz nach der europäischen MiCA-Verordnung erhalten, was dem Unternehmen eine breitere Marktzulassung in Europa verschafft, den Kursverfall bislang aber nicht aufhalten konnte.

Ein weiterer Vorfall sorgte zuletzt für Aufsehen, ohne die Ledger selbst zu betreffen: Eine Brücke des Netzwerks Coreum zur XRP Ledger verlor Anfang August rund 200.000 XRP, weil ein Relayer betrügerische Einzahlungen nicht ausreichend prüfte. Die XRP Ledger selbst blieb von der Schwachstelle unberührt – der Fehler lag im Code der Bridge-Software.

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