XRP: Banken-Spiel ohne Token-Nutzen?
Ripple Prime steigt in die Swap-Finanzierung gehebelter Fonds ein; der Einfluss der Expansion auf XRP bleibt offen.

Kurz zusammengefasst
- Finanzierung für gehebelte ETFs gestartet
- Tradr-Fonds nutzt Ripple-Primes Swap-Dienste
- Hidden-Road-Zukauf kostete 1,25 Milliarden US-Dollar
- XRP-Ledger erlaubt zehn delegierte Berechtigungen
Ripple weitet seine Präsenz im traditionellen US-Finanzsektor deutlich aus. Die Sparte Ripple Prime finanziert laut einem Bericht des Wall Street Journal Aktienswaps für gehebelte börsengehandelte Fonds. Damit greift das Unternehmen in ein Segment ein, das bislang fast ausschließlich von etablierten Investmentbanken beherrscht wird. An den Kryptomärkten sorgt der Vorstoß für Aufmerksamkeit, während der Token XRP heute bei 1,40 US-Dollar notiert.
Einstieg in den Markt für gehebelte Fonds
Das Neugeschäft zielt auf ein wachstumsstarkes Segment der New Yorker Finanzbranche. Nach Angaben des Analysehauses Morningstar Direct umfasst der US-Markt 593 gehebelte ETFs mit einem Gesamtvolumen von mehr als 256 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen 426 Produkte auf sogenannte Single-Stock-ETFs, die eine gehebelte Wette auf einzelne Unternehmensaktien abbilden.
Als erster konkreter Nutzer der Finanzierungsdienste gilt der Tradr 2X Long SNDK Daily ETF. Der Fonds bildet die zweifache tägliche Kursentwicklung der Sandisk-Aktie ab.
Für die Bereitstellung der nötigen Swaps zahlt das Produkt eine variable Gebühr. Diese orientiert sich an der Overnight Bank Funding Rate zuzüglich eines Aufschlags von vier Prozentpunkten. Die annualisierten Kosten für das Fondsvermögen beliefen sich dabei zuletzt auf rund acht Prozent.
Zukäufe und Großkunden schaffen die Basis
Die Grundlage für diese Dienstleistungen schuf Ripple mit dem Zukauf des Prime-Brokers Hidden Road für 1,25 Milliarden US-Dollar. Aus dieser Übernahme entstand der Geschäftsbereich Ripple Prime, der mittlerweile mehr als 300 institutionelle Kunden betreut. Zudem meldete die Sparte ein regulatorisches Nettokapital von über einer Milliarde US-Dollar.
Erst am Dienstag baute das Unternehmen zudem seine Partnerschaft mit Brevan Howard aus. Der Vermögensverwalter betreut rund 35 Milliarden US-Dollar für institutionelle Kunden. Ripple Prime übernimmt für Fonds des Hauses Dienste im Bereich Multi-Asset-Prime-Brokerage, Clearing und Finanzierung.
Technische Upgrades auf dem XRP Ledger
Parallel zu den Vorstößen im Bankengeschäft entwickelt sich die zugrundeliegende Infrastruktur weiter. Gestern aktivierte das Netzwerk nach einer mehrwöchigen Abstimmung unter den Validatoren das Update PermissionDelegationV1_1. Die Neuerung erlaubt es Kontoinhabern, bis zu zehn aufgabenspezifische Berechtigungen an andere Konten zu vergeben. Private Hauptschlüssel müssen dafür nicht mehr geteilt werden.
Die Funktion richtet sich gezielt an institutionelle Nutzer und Vermögensverwalter, die Kontroll- und Zahlungsfunktionen im Geschäftsalltag trennen wollen. Laut einem Bericht von Evernorth verwaltete das Ledger im zweiten Quartal tokenisierte Vermögenswerte im Volumen von durchschnittlich 3,72 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen 539 Millionen US-Dollar im Stablecoin RLUSD.
Was der Expansionskurs für XRP bedeutet
Für Anleger stellt sich die Frage, wie stark die operative Expansion auf den Token durchschlägt. Das Finanzierungsgeschäft von Ripple Prime generiert zwar Erträge für das Unternehmen, nutzt bislang jedoch weder zwingend den Token noch dessen Hauptnetzwerk.
Am Kassamarkt verzeichnete XRP heute ein Plus von 1,5 Prozent. Mit Blick auf das 52-Wochen-Hoch von 2,88 US-Dollar liegt der Kurs jedoch weiterhin 51 Prozent im Minus. Ob die institutionellen Weichenstellungen ausreichen, um nachhaltige Nachfrageimpulse für den Token zu schaffen, hängt vor allem von der künftigen Verzahnung der Prime-Brokerage-Dienste mit dem hauseigenen Netzwerk ab.
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