XRP: CLARITY Act fällt auf 32 Prozent

Politische Hürden um die Ethik-Klausel des CLARITY Acts trüben die Aussichten für XRP und drücken die Verabschiedungswahrscheinlichkeit auf ein neues Tief.

Dieter Jaworski ·
XRP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • XRP steigt auf 1,12 Dollar
  • Ethik-Klausel spaltet die Parteien
  • Verabschiedungswahrscheinlichkeit sinkt auf 32 Prozent
  • Zeitdruck vor der Sommerpause wächst

XRP klettert auf 1,12 Dollar. Der Token gewinnt binnen sieben Tagen gut fünf Prozent. Trotzdem bleibt die Stimmung angespannt, denn über dem größten Kurstreiber des Jahres hängt ein politisches Fragezeichen: der CLARITY Act.

Das Gesetz soll digitale Vermögenswerte in den USA erstmals klar regulieren. Für XRP ist es weit mehr als ein weiteres Regulierungsprojekt. Es könnte die Einstufung als Rohstoff zementieren, den Weg für XRP-ETFs ebnen und rechtliche Unsicherheiten rund um Ripples Zahlungsgeschäft beseitigen.

Treffen im Weißen Haus bringt keine Klarheit

Am Nachmittag des 16. Juli trafen sich Präsident Trump, die republikanischen Senatoren Bernie Moreno und Cynthia Lummis sowie der Krypto-Berater des Weißen Hauses, Patrick Witt. Ziel war es, die strittige Ethik-Klausel des Gesetzes zu klären. Die Runde war explizit zum Verhandeln einberufen, nicht nur zur Information des Präsidenten.

Was dabei herauskam, bleibt unklar. Eine Person aus dem Verhandlungsumfeld sprach von einer sehr abgeschotteten Sitzung und äußerte Hoffnung auf einen Kompromiss. Eine andere Quelle zeichnete ein weit skeptischeres Bild: Trump habe sich im Oval Office auf nichts festlegen lassen.

Auffällig ist, wer fehlte. Demokraten-Senator Ruben Gallego, der monatelang die parteiübergreifenden Ethik-Verhandlungen geführt hatte, war nicht eingeladen. Das wiegt schwer, denn genau seine Stimme und die anderer verhandlungsbereiter Demokraten braucht das Gesetz im Senat. Gallego hatte schon vor dem Treffen kritisiert, dem Präsidenten werde eine Version der Ethik-Regeln vorgelegt, der die Demokraten nie zugestimmt hätten.

Der Kern des Streits ist strukturell. Die Ethik-Klausel wäre das erste Gesetz, das eine Lücke bei Interessenkonflikten speziell im Kryptosektor schließt. Genau deshalb machen Demokraten sie zur Bedingung für ihre Zustimmung.

Zusätzliche Brisanz bekommt die Debatte durch Trumps eigene Finanzen. Seine am 30. Juni veröffentlichte Vermögensoffenlegung umfasst 927 Seiten und weist Lizenzeinnahmen von mehr als 635 Millionen Dollar aus dem Memecoin-Projekt $TRUMP aus. Demokraten-Senator Chris Murphy brachte die Kritik auf den Punkt: Ein neues Regelwerk für Krypto habe keinen Sinn, wenn es Trumps eigene Interessenkonflikte nicht adressiere.

Die Uhr im Senat tickt

Unabhängig vom Ausgang des Ethik-Streits wächst der Zeitdruck. Der Senat verabschiedet sich nach der ersten Augustwoche in die lange Sommerpause. Bleiben nur noch wenige Wochen, um das Gesetz vor der Sommerpause fertig zu verhandeln.

Danach dürfte der Blick der Abgeordneten auf die Zwischenwahlen im November wandern. Mehrheitsführer John Thune hat dennoch angekündigt, das Gesetz noch im Juli voranzutreiben – mit oder ohne endgültige Formulierung der Ethik-Klausel.

Prognosemärkte werden skeptischer

Die Wettplattform Polymarket gibt dem CLARITY Act aktuell nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 32 Prozent, bis Jahresende zu verabschieden. Das ist der niedrigste Stand, seit der Markt im Januar startete. Zum Vergleich: Zeitweise lagen die Erwartungen bei 82 Prozent.

Dieser Rückgang um rund 30 Prozentpunkte spiegelt die wachsende Unsicherheit über den Zeitplan direkt wider.

Charttechnik im Wartemodus

Auch im Kursverlauf zeigt sich die Hängepartie. XRP bewegt sich nahe dem 50-Tage-Durchschnitt bei 1,12 Dollar und damit in einer sich verengenden Handelsspanne. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 1,42 Dollar fehlen dem Token noch gut 21 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Trend trotz der jüngsten Erholung angeschlagen bleibt.

Ein Ausbruch über 1,12 Dollar würde ein bullisches Signal liefern und den Weg in Richtung der Widerstandszone zwischen 1,10 und 1,24 Dollar öffnen. Fällt der Kurs dagegen unter die Unterstützung bei 1,00 Dollar, dürfte die zuletzt begonnene Stabilisierung kippen und neue Abwärtsbewegungen auslösen.

Warum XRP besonders exponiert ist

Anders als Bitcoin oder Ether hängt der Kurs von XRP eng an diesem einen Gesetzesvorhaben. Analysten begründen das mit den möglichen ETF-Zulassungen und der rechtlichen Klarheit für Ripples Geschäftsmodell, die ein verabschiedetes Gesetz bringen würde. Kritiker des aktuellen Entwurfs bemängeln fehlende Schutzmechanismen gegen Interessenkonflikte.

Einige Abgeordnete warnen bereits, dass ein Scheitern vor der Sommerpause das nächste realistische Zeitfenster weit nach hinten verschieben könnte. Grund dafür ist der Wahlkampf zu den Zwischenwahlen, der die Agenda des Kongresses danach dominieren dürfte. Solange die Ethik-Verhandlungen offen bleiben und der Senatskalender enger wird, dürften politische Schlagzeilen die nächsten Handelstage von XRP stärker prägen als technische Chartmuster.

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