XRP: ETF-Zuflüsse um 93 Prozent eingebrochen

XRP hält die Ein-Dollar-Marke, während die SEC neue Krypto-Regeln prüft. Zeitgleich brechen die ETF-Zuflüsse massiv ein, obwohl Großanleger weiter zukaufen.

Eduard Altmann ·
XRP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • SEC-Sitzung zu Krypto-Regeln
  • XRP-ETF-Zuflüsse brechen um 93% ein
  • Große Wallets erhöhen XRP-Bestände
  • Kurs stabilisiert sich bei einem Dollar

XRP verteidigt die Marke von einem Dollar. Ausgerechnet an diesem Freitag entscheidet die US-Börsenaufsicht SEC über ein Regelwerk, das Ripples Kerngeschäft direkt betreffen könnte. Parallel zeigen frische ETF-Daten ein Bild, das wenig mit der Aufbruchsstimmung rund um die Regulierungsdebatte zu tun hat.

SEC-Sitzung könnte Ripples Geschäftsmodell berühren

Die SEC trifft sich am Freitag, den 14. August, um 10 Uhr Ostküstenzeit zu einer offenen Sitzung. Die Kommission prüft dort ein maßgeschneidertes Angebotsregime für bestimmte Investmentverträge mit Krypto-Assets. Bloomberg berichtete zudem, die Behörde könnte am selben Tag Details zu einer „Innovations-Ausnahme“ für tokenisierte Aktien veröffentlichen.

Der Vorschlag trifft Ripples Geschäftsmodell im Kern. Neue Tokens bräuchten nicht zwingend die Zustimmung der Unternehmen, deren Aktien sie abbilden. Der Entwurf könnte Emittenten aber erlauben, gegen eine Drittanbieter-Tokenisierung ihrer Aktie Einspruch einzulegen. Strengere Auflagen gegen Geldwäsche sind ebenfalls im Gespräch, etwa die Pflicht für Handelsplattformen, als US-Unternehmen registriert zu sein.

Analysten betonen: Der Freitag markiert erst den Start eines langen Prozesses. Die Abstimmung würde ein Rulemaking-Verfahren einleiten, keine sofortige Regelung. Öffentliche Kommentierung und eine weitere Kommissionsabstimmung müssten folgen, bevor eine finale Regel greift. Die Sitzung findet zudem vor dem Hintergrund einer gescheiterten Gesetzesinitiative statt: Der US-Senat brachte den Digital Asset Market Clarity Act vergangene Woche nicht voran.

ETF-Zuflüsse brechen um 93 Prozent ein

Während die Regulierungsnachrichten die Schlagzeilen dominieren, spielt sich die eigentlich brisantere Entwicklung im ETF-Markt ab. US-Spot-XRP-ETFs zogen in der Woche bis zum 8. August nur 1,01 Millionen Dollar an frischem Kapital an. In der Vorwoche waren es noch 14,86 Millionen Dollar — ein Rückgang um 93 Prozent.

Der Einbruch reiht die XRP-Fondsfamilie unter die schwächsten großen Krypto-ETF-Kategorien der Woche ein. Bitcoin-Produkte drehten im selben Zeitraum ins Positive und sammelten 754 Millionen Dollar ein. Ethereum-Fonds kamen auf rund 195 Millionen Dollar. Die Nettovermögenswerte der XRP-ETFs schrumpften parallel von etwa 988 auf rund 964 Millionen Dollar.

Der Wochenverlauf war dabei keineswegs einheitlich schwach. Am 5. August verzeichneten die Fonds einen Abfluss von 3,58 Millionen Dollar, am 4. August lag der Nettofluss bei null. Bereits am 6. August drehte die institutionelle Seite jedoch und zog 3,45 Millionen Dollar an — der stärkste Tageszufluss der gesamten Woche. Das deutet darauf hin, dass die Überzeugung der Anleger nicht vollständig verschwunden ist, auch wenn der Vergleich zu Bitcoin und Ethereum unvorteilhaft bleibt. Als Gründe für die XRP-spezifische Schwäche nennen Marktbeobachter die eingebrochenen ETF-Zuflüsse, Verkäufe von Grayscale-Beständen, die verzögerte Gesetzgebung sowie eine fehlende eigene Story.

Wale kaufen, während Fonds zögern

Das On-Chain-Verhalten großer Wallet-Inhaber läuft dem institutionellen Trend entgegen. Laut Daten von Santiment erhöhten große XRP-Wallets mit Beständen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Token ihren Anteil am Gesamtangebot von 10,6 auf 11,99 Prozent. Das spricht für Zukäufe zu niedrigeren Kursen. Kleinere Wallets, die zuvor verkauft hatten, begannen ab dem 6. August ebenfalls wieder zu kaufen.

Auch die Börsenflüsse stützen dieses Bild. Glassnode registrierte den Großteil der Woche über Zuflüsse auf Handelsplätze — üblicherweise ein Verkaufssignal. Am 6. August verließen dann über 2 Millionen Token die Börsen, ein typisches Zeichen für Akkumulation. Eine Lesart deutet die Divergenz als Rotation statt als Rückzug: Institutionen verabschieden sich nicht vollständig von XRP, sie verlagern Kapital eher in größere, liquidere Vehikel wie Bitcoin- und Ethereum-Fonds.

Kurs verharrt knapp über der Ein-Dollar-Marke

XRP notiert aktuell bei rund 1,00 Dollar und verteidigt damit eine psychologisch wichtige Schwelle. Der Coin liegt 70 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,35 Dollar vom August vergangenen Jahres, gleichzeitig aber nur 1,1 Prozent über seinem jüngsten Jahrestief. Der 50-Tage-Durchschnitt von 1,08 Dollar liegt damit ebenfalls noch über dem aktuellen Kurs — ein Zeichen, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt.

XRP steht damit zwischen zwei gegensätzlichen Erzählungen. Die SEC-Sitzung am Freitag markiert einen formalen Schritt hin zu klareren Bundesregeln für Krypto-Angebote und tokenisierte Assets — ein Bereich mit direkter Bedeutung für Ripples Zahlungs- und Tokenisierungspläne. Die ETF-Daten der Woche zeigen jedoch, dass die institutionelle Nachfrage fast zum Erliegen kam, während Bitcoin und Ethereum kräftig zulegten. Ob die Käufe der großen Wallet-Inhaber die schwächelnden Fondsflüsse aufwiegen können, dürfte sich in den Wochen nach der SEC-Entscheidung zeigen.

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