XRP: Goldman zieht komplett aus

Goldman Sachs löst XRP-ETF-Bestände auf, während Intesa Sanpaolo aufstockt. Der Token scheitert weiter am Widerstand bei 1,15 Dollar.

Redaktion Stock-World ·
Eine leicht geöffnete Hochsicherheitstür eines Tresors in einem dunklen Finanzgebäude, die auf einen Ausstieg hindeutet. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldman Sachs verkauft XRP-ETFs vollständig
  • Intesa Sanpaolo investiert 18 Millionen Dollar
  • XRP scheitert erneut am Widerstand
  • ETF-Vermögen bleibt bei einer Milliarde Dollar

XRP hängt seit Wochen an derselben Wand fest. Am 7. Juli scheiterte der Token erneut am Widerstand zwischen 1,14 und 1,15 Dollar, das Handelsvolumen blieb dabei mager. Genau in diese Konsolidierungsphase platzt eine Nachricht, die das Bild von der institutionellen XRP-Akzeptanz gehörig durcheinanderwirbelt.

Aktuell notiert XRP bei 1,11 Dollar, ein Plus von knapp 7 Prozent auf Wochensicht. Der Blick auf die längere Frist zeigt allerdings ein anderes Bild: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 41 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar über 51 Prozent. Vom Rekordhoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Token noch fast 70 Prozent.

Widerstand bei 1,15 Dollar hält

Der fehlgeschlagene Ausbruchsversuch reiht sich in ein Muster ein, das sich seit Wochen wiederholt. Käufer verteidigen zuverlässig die psychologische Zone zwischen 1 und 1,10 Dollar. Über den Widerstand kommen sie aber nicht hinweg.

Die nächste Unterstützung liegt zwischen 1,08 und 1,10 Dollar. Bullen müssen diese Zone halten, um die laufende Erholung nicht zu gefährden. Darunter wartet bei 1,00 bis 1,05 Dollar die nächste wichtige Haltezone. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,19 Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,47 Dollar liegen beide klar über dem aktuellen Kurs — ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend noch nicht gedreht hat.

Goldmans XRP-Position verschwindet spurlos

Im März 2026 sorgte eine SEC-Meldung für Aufsehen in der XRP-Community. Goldman Sachs, die renommierteste Investmentbank der Wall Street, war demnach größter institutioneller Halter von XRP-ETFs in den USA. Die Position hatte einen Wert von 153,8 Millionen Dollar, verteilt auf vier verschiedene Fonds.

Die nächste Pflichtmitteilung erzählte eine völlig andere Geschichte. Die komplette XRP-Position war verschwunden. Goldman hatte nicht nur seine XRP-ETFs vollständig verkauft, sondern auch die Solana-ETF-Bestände komplett aufgelöst. Zusätzlich reduzierte die Bank ihre Bitcoin- und Ethereum-Positionen und schichtete Kapital in Krypto-Aktien um — die Beteiligungen an Unternehmen wie Circle, Galaxy Digital und Coinbase stiegen um bis zu 249 Prozent.

Die Offenlegung ging Mitte Mai bei der SEC ein. Sie zeigt: Der XRP-Ausstieg war Teil eines kompletten Portfolio-Umbaus. Goldman kappte auch die Ethereum-ETF-Bestände um etwa 70 Prozent, reduzierte einen Teil der Bitcoin-Position — hielt aber weiterhin ein Bitcoin-ETF-Paket von rund 700 Millionen Dollar.

Von einem generellen Rückzug aus digitalen Assets kann trotzdem keine Rede sein. Goldman Sachs meldete weiterhin Positionen in Bitcoin- und Ether-ETFs, wenn auch reduziert. Parallel baute die Bank ihre Beteiligungen an mehreren börsennotierten Krypto-Unternehmen aus.

Wichtig für die Einordnung: Solche Pflichtmeldungen zeigen immer nur den Stand zum Quartalsende, nicht die aktuellen Bestände. Die SEC weist zudem darauf hin, dass sie die Einreichung „nicht notwendigerweise geprüft“ hat. Die Zahlen sind also eine Momentaufnahme, keine Strategieaussage.

Andere Institutionen bauen auf

Während Goldman sich zurückzog, positionierten sich andere traditionelle Finanzhäuser genau gegenteilig. Italiens größte Bank, Intesa Sanpaolo, investierte 18 Millionen Dollar in XRP über den Kauf von Anteilen am Grayscale XRP Trust. Die gesamte Krypto-Exponierung der Bank hat sich damit zwischen dem vierten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 mehr als verdoppelt — von 100 auf 235 Millionen Dollar.

Diese Gegenläufigkeit zeigt ein gespaltenes institutionelles Bild. Ein Wall-Street-Schwergewicht liquidiert sein komplettes XRP-ETF-Buch. Eine europäische Großbank baut im gleichen Zeitraum über dieselben regulierten Fondsstrukturen aus.

Marktumfeld: Flows stabil, Kurs hängt fest

Die ETF-Flussdaten zeichnen ein Bild der Stabilität. Am 7. Juli blieben die US-Spot-XRP-ETF-Zuflüsse nahezu unverändert, das kumulierte Nettovermögen liegt bei 1,045 Milliarden Dollar. Parallel dazu sanken die XRP-Reserven bei Binance auf 2,6 Milliarden Token — ein Rückgang von 20 Prozent seit November 2024, der den Binance-Knappheitsindex für XRP auf ein 24-Monats-Hoch von 0,77 trieb.

Der RSI von 46,8 signalisiert einen neutralen Markt, weder überkauft noch überverkauft. Die 30-Tage-Volatilität von gut 38 Prozent bleibt hoch, typisch für die Konsolidierungsphase der vergangenen Wochen. Trader beobachten vor allem, ob ein Tagesschluss über der Zone von 1,18 bis 1,20 Dollar gelingt — erst dann würde aus der Seitwärtsbewegung möglicherweise eine echte Rallye.

Der Fall Goldman macht die Erzählung von der institutionellen XRP-Akzeptanz komplizierter, als es zunächst schien. Eine einzelne Bank-Position, einst als Beweis für Wall-Street-Überzeugung gefeiert, ist binnen eines Quartals auf null geschrumpft. Andere traditionelle Finanzinstitute bauen ihre Exponierung über dieselben regulierten Produkte derweil weiter aus.

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