XRP: Long-Liquidationen um 94 Prozent gestiegen
CryptoQuant sieht in der Diskrepanz zwischen steigender Spot-Nachfrage und fallenden Hebelwetten ein mögliches Umkehrsignal für XRP.

Kurz zusammengefasst
- Spot-Nachfrage auf Binance steigt
- Long-Liquidationen am Terminmarkt explodieren
- Finanzierungssätze steigen trotz sinkender Hebel
- XRP notiert nahe 1,09 US-Dollar
Zwei Märkte, ein Token, komplett unterschiedliche Signale. Während sich Trader am Terminmarkt reihenweise aus ihren Long-Positionen katapultieren lassen, greifen Käufer am Spotmarkt beherzt zu. Die Analysefirma CryptoQuant wertet diese Kluft als mögliches Umkehrsignal für XRP.
Spot-Nachfrage steigt, Hebelwetten schrumpfen
Zwischen dem 4. und 8. Juli zog der Spot-Handel mit XRP auf Binance spürbar an. Zeitgleich schrumpfte die Aktivität am Derivatemarkt weiter. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil die Stimmung rund um den Token seit Wochen gedrückt bleibt. XRP verharrt seit dem Sommer nahe der psychologisch wichtigen Marke von 1 US-Dollar.
Am Terminmarkt sieht das Bild deutlich unruhiger aus. Das offene Interesse fiel bis zum 10. Juli auf 399 Millionen US-Dollar. Long-Liquidationen schnellten binnen einer Woche um 94 Prozent nach oben und lagen 172 Prozent über dem Drei-Monats-Schnitt. Short-Liquidationen dagegen sackten um 53 Prozent ab.
Trotz der Zwangsverkäufe bei Long-Positionen brachen die Finanzierungssätze auf Binance nicht ein. Sie waren Ende Juni kurzzeitig negativ, kletterten dann aber wieder — binnen einer Woche um 266 Prozent auf 0,007. Für CryptoQuant ergibt sich daraus ein ungewöhnliches Muster: Wer jetzt neue Long-Positionen eröffnet, zahlt höhere Aufschläge, obwohl der Hebel im Gesamtmarkt sinkt.
On-Chain-Daten wirken stabiler als der Terminmarkt
Verglichen mit dem volatilen Futures-Geschäft präsentiert sich das Netzwerk selbst deutlich ruhiger. Ganz erholt hat sich die Nutzung allerdings nicht. Aktive Adressen liegen weiterhin 11 Prozent unter dem Drei-Monats-Durchschnitt.
Immerhin gibt es leichte Fortschritte beim Transaktionsvolumen. Es stieg binnen einer Woche und binnen eines Monats jeweils um 3 bis 4 Prozent, bleibt aber weiterhin 21 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Monate.
Ein Token auf der Suche nach Richtung
Der Kurs spiegelt die Unentschlossenheit wider. Aktuell notiert XRP bei 1,09 US-Dollar, nur 8 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst am 26. Juni erreicht wurde. Zum bisherigen Jahreshoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 klafft dagegen eine Lücke von über 70 Prozent.
Der Blick auf die Durchschnittslinien bestätigt die Schwächephase: Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 1,17 Dollar, der 200-Tage-Schnitt bei 1,46 Dollar. XRP notiert damit knapp 7 beziehungsweise 25 Prozent unter diesen Marken. Der RSI von 44 signalisiert weder überkauft noch überverkauft — ein neutrales Bild in einem ansonsten nervösen Markt.
Prognosemärkte hatten Anfang Juli hohe Wahrscheinlichkeiten dafür eingepreist, dass XRP oberhalb von 1 Dollar bleibt. Einem Ausbruch über 1,10 Dollar räumten sie deutlich geringere Chancen ein. Genau in dieser Zone bewegt sich der Kurs aktuell.
Die Kombination aus schrumpfendem offenen Interesse, hohen Long-Liquidationen und anziehenden Finanzierungssätzen gilt unter Tradern häufig als Indiz dafür, dass überschüssiger Hebel aus dem Markt gespült wurde. Ob die steigende Spot-Nachfrage auf Binance in eine nachhaltige Erholung mündet, hängt davon ab, ob XRP die Widerstandsmarken zurückerobert, die Rallyes in der zweiten Jahreshälfte bislang immer wieder ausgebremst haben. Die noch unterdurchschnittliche Zahl aktiver Adressen bleibt dabei der Wermutstropfen, den Trader gegen die positiveren Signale abwägen müssen.
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