XRP: Netto-Abflüsse am 30. Juni

Nach acht Wochen verzeichnen XRP-Spot-ETFs erstmals Nettoabflüsse. Der Token-Kurs bleibt trotz positiver On-Chain-Signale schwach.

Dr. Robert Sasse ·
XRP Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Erstmals Nettoabflüsse bei XRP-ETFs
  • Kurs fiel im Juni um rund 20 Prozent
  • Börsenabflüsse deuten auf Akkumulation hin
  • Widerstand bei 1,18 und 1,22 Dollar

Acht Wochen lang stützten Spot-ETFs den XRP-Kurs, dann kam der Bruch. Am 30. Juni verzeichneten die Fonds erstmals seit Wochen wieder Netto-Abflüsse. Ausgerechnet zum Quartalsende endet damit eine Serie, die XRP inmitten eines schwachen Kryptomarktes zu den wenigen Lichtblicken zählte.

Die Spot-ETFs halten XRP direkt und erzeugten damit tatsächliche Nachfrage nach dem Token. Seit ihrem Start haben sie rund 1,48 Milliarden Dollar eingesammelt. In der Woche bis zum 26. Juni kamen noch einmal 22,99 Millionen Dollar hinzu — der stärkste Wochenwert im gesamten Juni. Bitwise trug daran mit 11,18 Millionen Dollar den größten Teil bei, Franklin Templetons XRPZ-Fonds legte am selben Tag 3,80 Millionen Dollar drauf.

Zum Vergleich: Während XRP-ETFs noch Kapital anzogen, verlor allein ein Bitcoin-ETF an einem einzigen Tag 444,50 Millionen Dollar, als BTC unter 60.000 Dollar rutschte. Die Fondsflüsse liefen also in völlig unterschiedliche Richtungen.

Kurs und Fondsnachfrage laufen auseinander

Trotz der Zuflüsse ging es mit dem XRP-Kurs stetig bergab. Diese Diskrepanz hat Marktbeobachter überrascht. Der Token startete den Juni bei rund 1,30 Dollar und rutschte bis Monatsende auf etwa 1,04 Dollar — das schwächste Niveau seit Ende 2024.

Zum aktuellen Kurs von 1,09 Dollar hat sich XRP zwar leicht erholt, bleibt aber 70 Prozent unter seinem Rekordhoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025. Auf Jahressicht steht ein Minus von gut 42 Prozent zu Buche, gegenüber dem Vorjahr sogar von über 51 Prozent.

Bemerkenswert: Der Juni war für Ripple und das XRP-Netzwerk ein überwiegend positiver Monat. Konkrete negative Auslöser für den Kursrutsch lassen sich nicht benennen. Stattdessen geriet XRP in einen breiten Ausverkauf, der fast den gesamten Kryptomarkt erfasste.

Diese Marktabhängigkeit trifft XRP besonders hart. Der Token verlor binnen eines Monats etwa 20 Prozent, während auch Bitcoin unter 59.000 Dollar fiel und Ethereum, Solana sowie BNB ebenfalls nachgaben. XRP reagiert auf schlechte Marktstimmung typischerweise stärker als Bitcoin — ein Muster, das sich auch diesmal bestätigte.

On-Chain-Daten deuten auf Akkumulation hin

Während die ETF-Serie riss, zeigen Blockchain-Daten ein gegenläufiges Bild. Am 22. Juni lagen die Netto-Abflüsse von Börsen bei rund 40,7 Millionen XRP. Inzwischen haben sie sich auf etwa 123 Millionen XRP fast verdreifacht — ein Plus von rund 200 Prozent binnen weniger Tage.

Solche Bewegungen deuten häufig darauf hin, dass Anleger Bestände gezielt von Handelsplätzen in eigene Wallets verschieben. Passend dazu zeigt auch die Netzwerkaktivität nach oben: Ende Juni entstanden an einem einzigen Tag knapp 5.000 neue Wallets auf dem XRP Ledger — der stärkste Anstieg seit drei Monaten. Die Stimmung in Online-Foren folgt diesem Trend, mit rund 3,7 positiven Kommentaren je negativem Beitrag, ein Dreimonatshoch.

Charttechnik gibt kurzfristig den Ton an

Mit dem RSI bei 42,9 und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 43 Prozent bleibt der Markt nervös, aber nicht überverkauft. Da der ETF-Rückenwind vorerst fehlt, rücken technische Marken stärker in den Fokus.

Die erste Hürde nach oben liegt beim 0,382-Fibonacci-Level nahe 1,18 Dollar. Darüber wartet der 20-Perioden-EMA bei rund 1,22 Dollar — jene Marke, an der zuletzt jede Erholung scheiterte. Eine Analyse der Kostenbasis zeigt, wo Anleger zuletzt gekauft haben: Rund 22,8 Millionen XRP wurden zwischen 1,18 und 1,19 Dollar erworben, weitere 27,4 Millionen zwischen 1,21 und 1,22 Dollar. Diese Bereiche dürften bei einer Erholung als Widerstand wirken.

Nach unten hin verläuft eine dichte Kauf-Zone zwischen 1,00 und 1,06 Dollar, die den Kurs bislang stabilisiert hat. Das aktuelle 52-Wochen-Tief liegt bei 1,01 Dollar, erreicht erst vor wenigen Tagen am 26. Juni. Ein Tagesschluss unter der Marke von einem Dollar könnte den Weg Richtung 0,80 Dollar öffnen.

Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,21 Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,49 Dollar liegen beide deutlich über dem aktuellen Kurs. Das unterstreicht: Der übergeordnete Trend bleibt angeschlagen, auch wenn die jüngste Erholung um gut vier Prozent auf Wochensicht erste Käufer zurückbringt. Ob die ETF-Nachfrage bald wieder anzieht oder der Ausreißer vom 30. Juni der Beginn einer längeren Abkühlung ist, entscheidet sich in den kommenden Handelswochen an genau diesen Marken.

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