XRP: Ripple erhält MiCA-Zulassung für 29 EU-Länder
Ripple erlangt MiCA-Zulassung in der EU und kann Dienste in 29 Ländern anbieten. Trotz regulatorischem Erfolg bleibt die XRP-Kursreaktion verhalten.

Kurz zusammengefasst
- EU-Aufsicht ESMA registriert Ripple Payments Europe
- Passporting ermöglicht Dienste in 29 EU-Ländern
- XRP-Kurs steigt nur leicht auf 1,09 US-Dollar
- US-Regulierungsgesetz CLARITY Act mit sinkender Wahrscheinlichkeit
Juli 2026 zusammen mit 14 weiteren Unternehmen in ihr MiCA-Register aufgenommen. Damit steigt die Zahl zugelassener Krypto-Dienstleister in der EU auf 294. Für Ripple bedeutet der Eintrag mehr als nur einen bürokratischen Haken: Das Unternehmen kann seine regulierten Krypto- und Stablecoin-Dienste künftig per Passporting in 29 EU-Ländern anbieten, mehrere Quellen sprechen sogar von 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums.
Ripple sichert sich Zulassung kurz vor der Frist
Grundlage der Zulassung ist eine Lizenz der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF. Ripple hatte dort bereits am 23. Juni 2026 ein vorläufiges „Green Light Letter“ erhalten – acht Tage vor Ablauf der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026. Diese Frist hat viele Wettbewerber kalt erwischt: Rund 83 Prozent der Krypto-Firmen in der EU waren zum Stichtag noch ohne Zulassung, insgesamt fehlten 1.738 Unternehmen die Genehmigung. Nur etwa 210 Firmen hatten es bis Mitte 2026 geschafft. Große Namen wie Binance, Bitget, MEXC und HTX zählen weiterhin nicht zu den vollständig MiCA-autorisierten Anbietern. Ripple selbst verweist auf mehr als 75 regulatorische Zulassungen weltweit, darunter auch die britische FCA-Lizenz.
Der Zeitpunkt kommt für Ripple günstig, doch die Aufsicht mahnt zur Vorsicht: Bruna Szego, Vorsitzende der neuen EU-Anti-Geldwäsche-Behörde AMLA, warnte, die Migration von Kunden zu MiCA-lizenzierten Plattformen nach Ablauf der Übergangsfrist könne die Compliance-Systeme der Branche stark belasten. Das Tempo neuer Zulassungen hat sich zudem bereits verlangsamt – nach 37 neuen CASPs Anfang Juli kamen zuletzt nur noch 14 hinzu.
Kursreaktion bleibt trotz guter Nachricht gedämpft
An der Kursfront zeigte die Nachricht zunächst nur einen kurzen Ausschlag: XRP legte am 18. Juli 2026 auf 1,08 US-Dollar zu, ein Plus von rund einem Prozent, während das Handelsvolumen um 24 Prozent auf 865 Millionen US-Dollar zurückging. Aktuell notiert die Kryptowährung bei 1,09 US-Dollar. Über 30 Tage steht ein Minus von 8,23 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 3,65 US-Dollar vom 19. Juli 2025 beträgt der Abstand weiterhin 70,19 Prozent.
Analysten mahnen zur Zurückhaltung bei der Einordnung der regulatorischen Nachricht. Die tatsächliche Nachfrage nach XRP hänge von der realen Nutzung des XRP Ledgers ab, nicht allein von Lizenzen, heißt es in einer Einschätzung von AInvest. Der Stablecoin RLUSD benötige zudem noch eine separate EU-Zulassung, bevor er in der Region regulär eingesetzt werden könne. Auch BeInCrypto verweist auf ein charttechnisch positives Muster, das aber noch einer Bestätigung durch höheres Handelsvolumen bedürfe.
US-Regulierung bremst die Stimmung
Während Ripple in Europa Boden gewinnt, trübt sich das Bild in den USA ein. Die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des CLARITY Acts, der die Aufsichtszuständigkeiten zwischen SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte klären soll, ist auf der Plattform Polymarket auf ein Rekordtief von 32 Prozent gefallen – im Mai hatte der Wert noch bei 75 Prozent gelegen. Grund ist ein Stillstand bei Ethikverhandlungen im Senat. US-Präsident Trump traf sich am 16. Juli 2026 mit Senatoren, um die Verabschiedung des Gesetzes vor der Sommerpause im August voranzutreiben. Der Wettanbieter Kalshi räumt einer Senatsabstimmung vor der Pause eine Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent ein, einer tatsächlichen Verabschiedung als Gesetz in diesem Jahr aber nur 36 Prozent.
Parallel dazu hält sich XRP seit Wochen in einer engen Spanne. ETF-Produkte auf die Kryptowährung haben über neun Wochen kumuliert 1,48 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen verbucht, ohne dass sich der Kurs nachhaltig von der Marke unterhalb von 1,15 US-Dollar lösen konnte. Die Bank JPMorgan hatte für das erste Jahr solcher Produkte Zuflüsse zwischen 4 und 8,4 Milliarden US-Dollar modelliert. Ob sich das regulatorische Rückenwind aus Europa und die ETF-Nachfrage in eine nachhaltige Kursbewegung übersetzen, bleibt angesichts der Unsicherheit rund um den CLARITY Act und der schwachen Handelsaktivität vorerst offen.
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