XRP: Wale kaufen, ETFs zögern
Trotz schwacher ETF-Nachfrage und Kursrutsch unter 1 Dollar sammeln Großinvestoren massiv XRP. Der CLARITY Act bleibt der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung.

Kurz zusammengefasst
- Wale kaufen über 380 Mio. XRP
- US-ETF-Zuflüsse brechen drastisch ein
- Standard Chartered senkt Kursziel um 65%
- CLARITY Act entscheidet über Erholung
XRP fiel am 11. August erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von einem Dollar, drehte bei knapp 0,99 Dollar und pendelt seither um 1,02 Dollar. Wer nur auf den Kurs schaut, sieht Stillstand. Wer auf die Order-Bücher schaut, sieht etwas anderes: Große Adressen kauften binnen einer Woche mehr als 380 Millionen Token und halten inzwischen rund 13 Prozent des gesamten Angebots.
Dieser Widerspruch zwischen ruhigem Kurs und aktiven Walen prägt das Bild gerade stärker als jede Chartlinie. Während institutionelle Anleger zugreifen, ziehen sich die US-Spot-ETFs zurück.
ETF-Zuflüsse brechen ein
Die amerikanischen XRP-ETFs sammelten in der Woche bis zum 8. August nur noch rund eine Million Dollar ein – nach 14,86 Millionen Dollar in der Woche zuvor. Zum Start der Produkte flossen noch 1,3 Milliarden Dollar hinein, mittlerweile ist die Nachfrage nahezu versiegt. Die Fonds halten zwar knapp 930 Millionen XRP, das entspricht aber nur etwa 1,5 Prozent der umlaufenden 62,5 Milliarden Token – zu wenig, um allein für Knappheit zu sorgen.
Auf Wochensicht steht ein Minus von rund 5,7 Prozent, während Bitcoin, Ether und BNB zulegen konnten. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 63,7 Milliarden Dollar, mehr als 70 Prozent unter dem Allzeithoch von 3,65 Dollar.
Der Senat bremst, Standard Chartered korrigiert
Der politische Auslöser, auf den der Markt wartet, verschiebt sich weiter nach hinten. Der CLARITY Act, der US-Kryptomärkte regulatorisch absichern soll, kommt frühestens am 15. September zur Abstimmung im Senat und benötigt dort 60 Stimmen. JPMorgan und Standard Chartered halten monatliche ETF-Zuflüsse von bis zu 667 Millionen Dollar für möglich, sobald das Gesetz steht – bis dahin bleibt das Szenario Theorie.
Standard Chartered hat parallel sein Kursziel für XRP im Jahr 2026 deutlich zurückgenommen, von 8 auf 2,80 Dollar. Das ist ein Einschnitt um 65 Prozent und zeigt, wie stark die Bank die Aussichten ohne verabschiedetes Gesetz eingetrübt sieht.
Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 0,99 und 1,00 Dollar die entscheidende Unterstützung. Rutscht der Kurs darunter, öffnet sich der Weg Richtung 0,94 und weiter bis 0,86 Dollar. Nach oben müssten Käufer zunächst die Marke von 1,036 Dollar zurückerobern, ein Tagesschluss über 1,10 Dollar würde laut Chartanalysen den Weg zu 1,18 und 1,30 Dollar öffnen.
Abseits der Kursdebatte baut Ripple sein operatives Geschäft weiter aus: SBI Ripple Asia bringt vorbezahlte Token auf das XRP Ledger und zielt damit auf einen japanischen Markt mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar. Diese Infrastruktur ändert an der aktuellen Marktkapitalisierung zunächst nichts, zeigt aber, dass Ripple abseits der ETF-Debatte an der Nutzung des Ledgers arbeitet.
Für die kommenden Wochen bleibt die Ein-Dollar-Marke der zentrale Prüfstein. Hält sie, könnte die Rückeroberung von 1,036 Dollar die nächste Erholungsphase einleiten. Bricht sie, dürfte sich die Diskussion um die Kursziele – zwischen der optimistischen Spanne der Investmentbanken und den fallenden 2,80 Dollar von Standard Chartered – weiter verschärfen.
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