Zinsangst treibt Dollar auf 13-Monats-Hoch

Der Dollar-Index erreicht den höchsten Stand seit Mai 2025, angetrieben von Zinsangst und einem Tech-Ausverkauf. Zentralbanken in Asien reagieren mit Gegenmaßnahmen.

Felix Baarz ·
KOSPI Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Dollar-Index steigt auf 101,51
  • Fed-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
  • Japan und Malaysia stützen eigene Währungen
  • Halbleiteraktien unter starkem Verkaufsdruck

Der US-Dollar ist der große Gewinner eines turbulenten Handelstages. Während die Zinserwartungen an den Finanzmärkten weltweit steigen und ein Techaktien-Ausverkauf die Risikobereitschaft der Anleger dämpft, kämpfen Zentralbanken von Sydney bis Kuala Lumpur gegen den Sog des erstarkenden Greenbacks.

Flucht in den Dollar

Der Dollar-Index kletterte am Mittwoch auf 101,51 – den höchsten Stand seit Mai 2025. Treiber sind zwei Kräfte, die sich gegenseitig verstärken: ein breiter Ausverkauf von Technologie- und Halbleiterwerten sowie wachsende Erwartungen an Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed.

Laut CME FedWatch preisen die Märkte mittlerweile eine 36-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bereits im Juli ein – vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 8,5 Prozent. Für den September-Termin stieg die Wahrscheinlichkeit von 29 auf über 70 Prozent. Ray Attrill, FX-Stratege bei der National Australia Bank, bringt es auf den Punkt: „Der US-Dollar ist nach wie vor der bevorzugte sichere Hafen.“ Zugleich warnt er, dass vieles bereits eingepreist sei und ein nachhaltiger weiterer Anstieg eine breitere Korrektur des Risikoappetits voraussetzen würde.

Geopolitisch bleibt die Lage angespannt: Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zeigt erste Risse. Streitpunkte bei Nuklearfragen und der Kontrolle der Straße von Hormuz nähren Zweifel an der Tragfähigkeit des fragilen Friedens – und befeuern zusätzlich die Nachfrage nach sicheren Anlagen.

Notenbanken in der Zwickmühle

Das Erstarken des Dollars setzt Zentralbanken rund um den Globus unter Druck – jede auf ihre eigene Weise.

In Australien kämpft die Reserve Bank of Australia (RBA) mit hartnäckiger Inflation. Die Notenbank hat die Zinsen in diesem Jahr bereits dreimal erhöht und damit alle Lockerungsmaßnahmen aus 2025 vollständig rückgängig gemacht. Die Headline-Inflation verlangsamte sich im Mai zwar auf 4,0 Prozent, doch der geglättete Kernwert stieg auf 3,6 Prozent – deutlich oberhalb des Zielbands von 2 bis 3 Prozent. Vizegouverneur Andrew Hauser betonte in einer Rede, die Notenbank habe „noch Arbeit vor sich“, um die „viel zu hohe“ Inflation zu senken. Der australische Dollar hielt sich bei rund 0,6918 US-Dollar auf einem Elfwochentief – die gemischten Inflationsdaten trüben die Wetten auf weitere Zinsschritte.

Indien geht einen anderen Weg. RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra bezeichnete es als „verfrüht“, über Zinserhöhungen zu sprechen. Die indische Zentralbank beobachte zwar mögliche Zweitrundeneffekte höherer Ölpreise auf die Gesamtwirtschaft, sehe aber noch „keine Anzeichen einer Verallgemeinerung der Inflation“. Sollte die RBI die Märkte auf Zinserhöhungen vorbereiten wollen, würde sie zunächst ihre Haltung von „neutral“ auf „restriktiv“ umstellen – was bislang nicht geschehen ist. Die Rupie notierte zuletzt bei rund 95 Rupien je Dollar.

Yen und Ringgit unter Druck

Besonders angespannt ist die Lage in Japan. Der Yen handelt bei rund 161,55 je Dollar – ein Niveau, das an historische Schwächephasen erinnert. Ein Durchbruch über 161,96 würde den Yen auf den schwächsten Stand seit 1986 drücken. Verbale Interventionen japanischer Behörden verpufften bislang wirkungslos.

Tokio denkt deshalb strukturell um. Ein Entwurf der Wachstumsstrategie, der Reuters vorliegt, sieht vor, die Verwaltung der 1,3 Billionen Dollar schweren Devisenreserven zu verbessern. Diese wurden in der Vergangenheit vor allem für Dollarankäufe angehäuft und sind großteils in US-Staatsanleihen investiert. Eine grundlegende Umschichtung gilt zwar als unrealistisch – die Reserven müssen kurzfristig für Interventionen verfügbar bleiben –, doch der Druck auf die Politik wächst. Einige Mitglieder des Bank-of-Japan-Boards sprachen sich laut dem Protokoll der Juni-Sitzung für weitere Zinserhöhungen aus. Die ehemalige BOJ-Direktorin Sayuri Shirai warnte, der Yen könnte bei einem Fed-Zinsschritt auf 165 je Dollar absacken.

Malaysia greift ebenfalls aktiv ein. Die Zentralbank Bank Negara Malaysia kündigte an, ihre Maßnahmen zur Stützung des Ringgit zu verstärken – darunter Anreize zur Repatriierung von Unternehmensgewinnen aus dem Ausland und Maßnahmen zur Anwerbung ausländischen Kapitals. Der Ringgit hat im Juni rund 4,5 Prozent verloren und ein Siebensmonatstief erreicht. Als Ursachen nennt die Notenbank vorsichtiges Positionierungsverhalten ausländischer Investoren sowie die gestiegenen US-Zinserwartungen.

Ölpreise, Chips und offene Fragen

Neben den Währungsturbulenzen sorgt ein weiteres Thema für Aufsehen: US-Präsident Donald Trump wies das Justizministerium an, Ölkonzerne zu untersuchen, die trotz gefallener Rohölpreise die Spritpreise an den Zapfsäulen nicht entsprechend gesenkt haben. „Kunden werden abgezockt“, schrieb Trump in einem Beitrag in den sozialen Medien. Benzin-Futures notierten zuletzt bei 2,9256 Dollar je Gallone – deutlich unter den Hochs nach Ausbruch des US-israelischen Krieges gegen den Iran, der im Februar die globalen Rohölversorgung erschüttert hatte.

An den Aktienmärkten steht der Halbleitersektor im Fokus. Südkoreas KOSPI versuchte sich nach dem fünftgrößten Tagesverlust seiner Geschichte an einer Erholung, und der taiwanesische Chiphersteller TSMC stand erneut unter Verkaufsdruck. Die Bank of America stellte in ihrer Juni-Umfrage fest, dass 80 Prozent der Fondsmanager Long-Positionen in Halbleitern für den am stärksten überfüllten Trade halten – ein Rekordwert. Das Ergebnis von Micron nach US-Börsenschluss dürfte zeigen, ob die Branche den Erwartungen standhalten kann.

Die Märkte navigieren durch ein dichtes Geflecht aus Zinserwartungen, geopolitischen Risiken und technologischen Überbewertungen. Wie weit der Dollar noch steigen kann, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Fed wirklich liefert – und ob der Nahostfrieden hält.

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