Zu großer Optimismus?

Anleger zeigen sich trotz unsicherer US-Politik und sinkendem Vertrauen in Staatsanleihen übermäßig optimistisch. Kritik am 'Big Beautiful Bill' wächst.

Stephan Feuerstein ·
Skyline des Finanzdistrikts bei Sonnenuntergang

Kurz zusammengefasst

  • Anlegervertrauen trotz politischer Unsicherheiten hoch
  • Kritik am US-Gesetzespaket 'Big Beautiful Bill'
  • Sinkende Nachfrage nach US-Staatsanleihen
  • Rating-Agenturen entziehen USA Top-Bonität

Aachdem der Konflikt im Nahen Osten in der letzten Woche zunehmend an Beachtung verloren hat, zeigen sich die Anleger aktuell sehr zuversichtlich. So gehen die Marktteilnehmer offensichtlich davon aus, dass es bei den Verhandlungen um die im April verschobenen US-Importzöllen zu zufriedenstellenden „Deals“ kommen wird. Schließlich endet die Frist im Juli, die im August von US-Präsident Trump um 90 Tage verschoben wurde. Es muss sich allerdings zeigen, ob die Anleger aktuell nicht doch etwas zu optimistisch in die Zukunft schauen!

„Big Beautiful Bill“

Neben den Verhandlungen hinsichtlich der Importzölle geht es aber auch bei dem „Big Beautiful Bill“ weiter. Jenem Gesetzespaket, welches auf dem Wunschzettel von Donald Trump weit oben stehen dürfte. So enthält das Gesetzespaket einen nicht zu unterschätzenden Umfang von möglichen Maßnahmen, welche auch die Neuverschuldung der USA weiter in die Höhe treiben. Nicht ohne Grund hat der ehemalige US-Präsidentenberater Elon Musk dieses Gesetzespaket als „völlig wahnsinnig und zerstörerisch“ kritisiert. Von den Republikanern geplant ist, dass der Gesetzesentwurf bis zum 4. Juli beschlossen wird.

Vertrauen in die USA weiter im Sinkflug

Mit dem „Big Beautiful Bill“ dürfte das Vertrauen der internationalen Anleger in die USA weiter sinken. Dies lässt sich nicht zuletzt am Verfall des US-Dollars erkennen. Auch die Nachfrage nach US-Staatsanleihen, die eigentlich als sicherer Hafen gelten, hat zuletzt nachgelassen. Dies mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass nun auch die letzte der drei führenden Rating-Agenturen den USA das begehrte „Triple-A-Rating“ entzogen hat. Sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden, greift die US-Regierung tiefgehend in vielfältiger Weise in zahlreiche Aspekte der US-Amerikaner ein. Dazu gehören neben den Themen Einwanderung, Sozialversicherung und Gesundheitswesen auch Bereiche, wie die Regulierung von KI, die Verteidigung und das Thema Steuern. Sollten sich die von Kritikern befürchteten Auswirkungen zeigen, dürfte die jüngste Herabstufung der USA sicherlich nicht die letzte gewesen sein. Vor allem mit Blick auf den weiter steigenden Rekord-Schuldenberg sowie der aktuellen US-Politik fragen sich immer mehr Anleger, ob beim Kauf von US-Staatsanleihen das Risiko nicht weiter nach oben klettert. Vor diesen Punkten stellt sich die Frage, ob der angestiegene Optimismus der Anleger aktuell nicht etwas zu üppig ausfällt.

Stephan Feuerstein
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