Zu hohe Erwartungen eingepreist?
Steigende Energiepreise stützen Erwartungen an weitere US-Zinserhöhungen, während eine Entspannung im Nahen Osten den Druck wieder mindern könnte.

Kurz zusammengefasst
- US-Notenbank dürfte Zins um 25 Basispunkte anheben
- Märkte rechnen mit weiteren Zinsschritten
- Energiepreise treiben Inflationserwartungen nach oben
- Entspannung könnte Zinshoffnungen zurückdrängen
Die in der abgelaufenen Woche präsentierten US-Erzeugerpreise legten vor allem aufgrund der Energiekomponenten weiter zu und festigen damit die Erwartung, dass die US-Notenbank den Leitzins zur Wochenmitte um 25 Basispunkte anheben wird. Auch wenn einige Akteure das aktuelle Zinsniveau noch als ausreichend betrachten, dürfte die FED der allgemeinen Erwartungshaltung folgen und damit entsprechend deutliche Marktreaktionen umgehen. Schließlich hat US-Präsident Trump zuletzt wieder den Druck auf die obersten US-Währungshüter hinsichtlich fallender Zinsen erhöht. Auch um die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu unterstreichen, dürfte FED-Chef Kevin Warsh einer Zinsanhebung nicht abgeneigt sein.
Marktteilnehmer zu pessimistisch?
Die Anleger rechnen also mit klarer Mehrheit mit einer US-Zinsanhebung um 25 Basispunkte am Mittwoch und darüber hinaus mit einer weiteren im Dezember. Für das kommende Jahr rechnet man ebenfalls mit zwei weiteren Zinsanhebungen. Dies ist nicht zuletzt auf den steilen Anstieg der Energiepreise zurückzuführen, die mit dem Angriff auf saudische Anlagen in den letzten Tagen weiter nach oben geklettert sind. Ein Teil dieser Erwartungshaltung steckt daher bereits in den Kursen. Sollte sich die Situation allerdings nicht weiter zuspitzen oder gar eine Entspannung erkennbar sein, dürfte diese Erwartungshaltung zu hoch sein.
Saisonalität bald wieder im „grünen Bereich“?
Nach der saisonalen Durststrecke, die sich in der Regel zwischen August und September präsentiert, zeigt der langfristige Vergleich, dass das letzte Quartal in der Regel eine freundliche Tendenz hervorbringt. In diesem Jahr dürfte dies in besonderem Maße auch auf das Geschehen im Nahen Osten zurückzuführen sein. Spitzt sich die Situation dort weiter zu, wird auch die Inflation energiegetrieben weiter nach oben klettern und damit den Druck auf die Notenbanken erhöhen, den Leitzins weiter anzuheben. Entspannt sich das Geschehen allerdings, könnten weitere Zinsanhebungen wieder in die Ferne rücken.
Stephan Feuerstein
Hebelzertifikate-Trader
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