Zwei Milliarden Dollar für Quanten — IBM, D-Wave und der neue Tech-Zyklus
US-Milliarden für Quantencomputing treiben IBM und D-Wave an. ASML und Infineon profitieren vom KI-Boom mit neuen Höchstständen.

Kurz zusammengefasst
- Zwei Milliarden US-Dollar für Quantencomputer
- IBM gründet Chip-Tochter Anderon
- D-Wave Aktie schießt um 37 Prozent hoch
- ASML und Infineon erreichen neue Rekordmarken
Zwei Milliarden Dollar Bundesförderung für Quantencomputer, eine neue IBM-Tochter, ein UBS-Upgrade für ASML und ein Kurssturz trotz guter Zahlen bei Enovix: Die Tech-Branche liefert diese Woche Stoff für mehrere Kapitel gleichzeitig. Im Zentrum steht ein Paukenschlag aus Washington, der die Gewichte im Halbleitersektor neu sortiert.
Das US-Handelsministerium hat Absichtserklärungen mit neun Quantencomputer-Unternehmen unterzeichnet — über insgesamt gut zwei Milliarden Dollar aus dem CHIPS and Science Act. Die Hälfte davon fließt an IBM. Der Rest verteilt sich auf kleinere Player, darunter D-Wave Quantum mit 100 Millionen Dollar. Die Nachricht elektrisierte den gesamten Technologiesektor und zog Anleger in Scharen zurück in Quanten-Titel.
Gleichzeitig spielen sich abseits des Quanten-Hypes eigene Geschichten ab: Infineon markiert ein frisches Allzeithoch, ASML erhält ein ambitioniertes Kursziel — und Enovix kämpft mit dem Vertrauensverlust nach einer JPMorgan-Abstufung.
D-Wave Quantum: 100 Millionen Dollar und ein Kursfeuerwerk
Der Quanten-Spezialist gehört zu den größten Profiteuren der Woche. D-Wave unterzeichnete eine Absichtserklärung über 100 Millionen Dollar aus dem CHIPS Act. Im Gegenzug würde das Unternehmen Aktien im selben Wert an das US-Handelsministerium ausgeben. Die Aktie schoss am Donnerstag um über 22 Prozent nach oben und notiert heute bei 23,91 Euro — ein Plus von knapp 37 Prozent auf Wochensicht.
Die geplante Verwendung der Mittel klingt ambitioniert: Ein 100.000-Qubit-Annealing-System und ein 10.000-Qubit-Gate-Modell-System stehen auf der Roadmap. Letzteres soll rund 100 logische Qubits unterstützen und Anwendungen in Quantenchemie sowie Quanten-KI ermöglichen. Die Fördermittel sollen außerdem Forschungseinrichtungen in Florida, Connecticut und Kanada ausbauen.
Ein wichtiger Vorbehalt: Die Absichtserklärung ist kein finaler Vertrag. Bis zur Unterzeichnung der definitiven Vereinbarungen bleibt das Geld eine Zusage in Prinzip. Bei einer annualisierten Volatilität von über 146 Prozent ist D-Wave ohnehin nichts für schwache Nerven. Das jüngste Analysten-Rating lautet auf Kaufen mit einem Kursziel von 43 Dollar — weit über dem aktuellen Niveau, aber gestützt auf ein Unternehmen, das weiterhin erhebliche Verluste schreibt.
IBM: Amerikas erste Quanten-Foundry entsteht
IBM sichert sich den Löwenanteil der Förderung — eine Milliarde Dollar. Die Aktie reagierte mit einem Tagessprung von über 12 Prozent und notiert heute bei 225,75 Euro, ein Plus von 3,58 Prozent zum Vortag.
Das Herzstück der Ankündigung: IBM gründet eine eigenständige Tochtergesellschaft namens Anderon. Mit Hauptsitz in Albany, New York, soll Anderon als erste reine Quanten-Chip-Foundry der USA operieren — auf 300-Millimeter-Waferbasis. Neben der Milliarde aus dem CHIPS Act steuert IBM selbst eine weitere Milliarde in bar bei, dazu geistiges Eigentum, Anlagen und Fachpersonal. Weitere Investoren sollen folgen.
Der strategische Clou: Anderon soll nicht nur IBM-eigene Quantenchips fertigen, sondern auch als Auftragsfertiger für Wettbewerber fungieren. IBM hat bereits mehr als 90 Quantencomputer-Systeme im Einsatz — mehr als alle anderen Branchenakteure zusammen — und peilt das erste kommerzielle, fehlertolerante Großsystem bis 2029 an.
Analysten bewerten die Aktie im Konsens mit Kaufen bei einem durchschnittlichen Kursziel von rund 287 Dollar. Allerdings mahnen Beobachter, dass IBM eine hohe Verschuldung mitbringt. Die milliardenschwere Investition in Anderon darf die Bilanz nicht zusätzlich belasten.
ASML: UBS sieht Europas Chip-Champion mit Nachholpotenzial
Während IBM und D-Wave den Quanten-Hype dominieren, spielt ASML seine eigene Karte. Die Aktie markierte heute mit 1.381,80 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch und liegt damit fast 40 Prozent über dem Jahresstart.
Auslöser der jüngsten Dynamik: UBS hat den niederländischen Lithografie-Spezialisten als Top-Pick im europäischen Halbleitersektor wieder eingestuft und das Kursziel von 1.600 auf 1.900 Euro angehoben. Die Begründung fällt bemerkenswert aus. ASML handelt derzeit mit nur sechs Prozent Aufschlag gegenüber US-Großkapital-Peers — bei einem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 84 Prozent Prämie. Die Bank sieht darin eine klare Unterbewertung.
Zentrale Wachstumsthemen:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei D-Wave Quantum?
- KI-Chipnachfrage: UBS erwartet einen verlängerten Investitionszyklus bis mindestens 2028, getrieben durch steigende Preise bei knappem Angebot
- Memory-Umsätze: ASML erzielte zwischen 2020 und 2025 ein jährliches Umsatzwachstum von 23 Prozent im Speicherbereich — weit vor der Konkurrenz mit rund sechs Prozent
- High-NA EUV: CEO Christophe Fouquet kündigte an, dass erste Chips mit der neuen High-NA-Technologie in den kommenden Monaten debütieren werden. Ein einzelnes System kann bis zu 400 Millionen Dollar kosten, ermöglicht aber um bis zu 66 Prozent kleinere Chip-Strukturen
Der Konsens von 38 Analysten empfiehlt den Kauf bei einem durchschnittlichen Kursziel von knapp 1.483 Euro. Nur ein Analyst rät zum Verkauf.
Infineon: Allzeithoch, Prognoseanhebung und der Robotik-Vorstoß
Der DAX-Chiphersteller schreibt gerade sein eigenes Kapitel. Mit 70,96 Euro erreichte die Aktie heute ein neues 52-Wochen-Hoch — ein Anstieg von über 85 Prozent seit Jahresbeginn und mehr als 100 Prozent auf Zwölfmonatssicht.
Getrieben wird die Rally von handfesten Zahlen: Im zweiten Fiskalquartal 2026 meldete Infineon einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro, etwa sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Noch wichtiger: Die Jahresprognose wurde auf über 16 Milliarden Euro angehoben, gestützt durch KI- und Industrienachfrage. Der Gewinn je Aktie von 0,34 Euro verfehlte zwar die Erwartungen leicht, doch der Umsatz traf die Schätzungen nahezu punktgenau.
Citi reagierte mit einem deutlichen Upgrade und hob das Kursziel von 52 auf 80 Euro an — Kaufempfehlung bestätigt. Das liegt deutlich über dem Analysten-Konsens von gut 65 Euro, den 33 Analysten mittragen.
Strategisch setzt Infineon auf ein neues Feld: humanoide Robotik. Das Unternehmen bringt junge Deep-Tech-Firmen weltweit zusammen, um Innovationen bei Sensorik und Motorsteuerung voranzutreiben. Startups erhalten Zugang zu Technologie, Coaching und einem Partnernetzwerk aus Industrie und Investoren. Die Bewerbungsfrist für die Startup-Challenge läuft noch bis zum 27. Mai.
Enovix: Gute Zahlen, schlechte Stimmung
Enovix liefert das Gegenprogramm zum Sektor-Optimismus. Trotz eines Umsatzsprungs von 49 Prozent im Jahresvergleich auf 7,6 Millionen Dollar und einer positiven Gewinnüberraschung brach die Aktie um knapp 15 Prozent ein. Aktuell notiert sie bei rund 5,50 Dollar.
Die Zahlen allein erklären den Absturz nicht. JPMorgan hatte den Batteriespezialisten bereits vor den Q1-Ergebnissen auf „Underweight“ herabgestuft — mit drei konkreten Kritikpunkten:
- Verschärfter Wettbewerb im Smartphone-Batteriesegment
- Verzögerter Volumen-Hochlauf in der Massenproduktion
- Schrumpfender Technologievorsprung bei der Energiedichte gegenüber etablierten Herstellern
Bank of America hob das Kursziel dagegen leicht auf 7 Dollar an und verwies auf Fortschritte bei einem wichtigen Smartphone-Kunden. Management und Partner haben sich auf ein siliziumspezifisches Qualifizierungs-Framework geeinigt, das bisherige Testengpässe lockert. Die kommerzielle Massenproduktion für Smartphones wird allerdings erst für 2027 angepeilt.
Die Analystenlandschaft bleibt tief gespalten: Der Konsens steht bei „Übergewichten“ mit einem Kursziel von 15,39 Dollar — fast dreimal so hoch wie der aktuelle Kurs. Gleichzeitig haben Benchmark, TD Cowen und Oppenheimer ihre Ziele im Mai deutlich gesenkt. Enovix liefert derweil erste Ergebnisse in Nischenmärkten: rund 50.000 Smart-Eyewear-Batterien und eine neue Drohnen-Batterieplattform stehen für 2026 auf dem Plan.
Quanten-Milliarden treffen auf Halbleiter-Boom — was jetzt zählt
Die Woche offenbart eine zweigeteilte Dynamik im Tech-Sektor. Auf der einen Seite steht die staatlich befeuerte Quanten-Offensive: IBM baut mit Anderon eine völlig neue Industriestruktur, D-Wave erhält die Mittel für ambitionierte Qubit-Architekturen. IBM schätzt, dass Quantencomputing bis 2040 einen wirtschaftlichen Wert von bis zu 850 Milliarden Dollar generieren könnte. Auf der anderen Seite profitieren ASML und Infineon vom laufenden KI-Investitionszyklus — mit Rekordkursen und angehobenen Prognosen.
Enovix steht abseits dieser Wellen. Die Batterie-Technologie lebt von einem einzigen Qualifizierungsprozess, nicht von einem Branchentrend. Genau das macht die Aktie so polarisierend.
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Quanten-Absichtserklärungen in verbindliche Verträge münden. Für ASML bestimmt die Adoptionsgeschwindigkeit der High-NA-EUV-Technologie das Tempo. Infineons August-Quartalsbericht wird prüfen, ob die angehobene Jahresprognose der Realität standhält. Und bei Enovix entscheidet ein einziger Smartphone-Kunde darüber, ob die Kluft zwischen Kurs und Konsens-Kursziel schrumpft — oder weiter wächst.
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