Zwei Welten bei DAX-Dividenden: Volkswagen unter Druck, Rückversicherer stabil

Volkswagen und Porsche SE verdanken hohe Renditen vor allem schwachen Kursen; Rückversicherer stützen ihre Ausschüttungen auf operative Ertragskraft.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Volkswagen erreicht 7,5 Prozent Rendite
  • Porsche SE folgt mit 5,9 Prozent
  • Rückversicherer profitieren von operativer Stärke
  • Daimler Truck erzielt Jahresplus von 12 Prozent

Je tiefer der Kurs, desto höher die Rendite. Diese simple Rechnung erklärt, warum ausgerechnet die Sorgenkinder der Autobranche die DAX-Dividendenliste anführen. Dahinter folgen zwei Rückversicherer, deren Ausschüttungen auf operativer Stärke ruhen, und ein Nutzfahrzeughersteller. Das Ranking erzählt zwei sehr verschiedene Geschichten.

Dividendenjäger im DAX: Rendite ist nicht gleich Rendite

Das Ranking beruht auf den Schlusskursen von gestern und den in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich gezahlten Dividenden. Es misst also, was Anleger zuletzt bekommen haben, nicht, was sie erwarten dürfen.

RangUnternehmenDividendenrendite
1Volkswagen7,5 %
2Porsche SE5,9 %
3Hannover Rück5,0 %
4Münchener Rück4,8 %
5Daimler Truck4,6 %

Die Spreizung innerhalb der Liste ist beachtlich. An der Spitze stehen Werte, deren Renditen vor allem durch Kursverluste nach oben getrieben wurden. Weiter unten finden sich Titel, deren Ausschüttungen aus solider Ertragskraft stammen.

Volkswagen: Spitzenreiter dank Kursverfall

Die Vorzugsaktie des Wolfsburger Konzerns belegt mit 7,5 Prozent den ersten Platz. Grundlage sind 5,26 Euro Ausschüttung je Aktie, gerechnet auf den gestrigen Schlusskurs von 70,44 Euro. Dass die Rendite so hoch ausfällt, liegt weniger an einer großzügigeren Dividende als am schwachen Kurs.

Aktuell notiert das Papier bei 69,98 Euro und damit nur knapp über dem Jahrestief. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 33 Prozent. Der Markt preist erhebliche strukturelle Herausforderungen ein.

Die Gründe liegen auf der Hand. Hohe Investitionen in die Elektromobilität treffen auf verschärften Wettbewerb, vor allem in China, dem wichtigsten Einzelmarkt. Die operative Marge im Kerngeschäft steht unter Druck. Sinkt der Kurs bei kaum veränderter Dividende, steigt die rechnerische Rendite automatisch.

Entscheidend ist damit die Tragfähigkeit der Ausschüttung. Milliarden fließen in Software und Batterieproduktion, und der Cashflow muss beides stemmen. Am Markt überwiegt eine abwartende Haltung. Einzelne Stimmen verweisen auf die niedrige Bewertung und das daraus erwachsende Kurspotenzial. Die konjunkturelle Eintrübung in Europa belastet jedoch die Absatzprognosen. Eine Rendite in dieser Höhe wirkt wie eine Prämie für das zyklische Risiko.

Porsche SE: Hebel auf Volkswagen mit Holding-Abschlag

Rang zwei geht an die Porsche SE mit 5,9 Prozent. Auf Basis von 25,51 Euro Schlusskurs steht eine Ausschüttung von 1,51 Euro je Aktie zu Buche. Die Beteiligungsgesellschaft hält die Mehrheit der Volkswagen-Stammaktien. Ihr Schicksal ist deshalb eng an das des Autokonzerns gekoppelt.

Das erklärt, warum sich beide Werte im Ranking ähneln. Auch der Kurs der Holding steht unter Druck. Heute kostet die Aktie 25,28 Euro, was einem Jahresminus von 36 Prozent entspricht. Das Jahrestief liegt nur wenige Cent entfernt.

Ein wesentlicher Faktor ist der Holding-Abschlag. Die Aktie handelt meist deutlich unter dem Wert ihrer Beteiligungen. Dadurch fällt die Dividendenrendite für Anleger oft höher aus als bei den operativen Einheiten selbst.

Die Mittel dafür stammen aus den Dividenden von Volkswagen und der Porsche AG. Ein Teil davon dient dem Schuldendienst aus dem Erwerb von Porsche-Stammaktien, der Rest der eigenen Ausschüttung. Das Sentiment am Markt ist tendenziell konstruktiv, spiegelt aber die Abhängigkeit von der Dividendenfähigkeit der Wolfsburger Mutter wider. Auch die Verschuldung auf Holding-Ebene gehört zur Gleichung.

Hannover Rück: Rendite auf operativer Stärke

Die Hannover Rück folgt mit 5,0 Prozent auf Platz drei. Bei einem Schlusskurs von 251,60 Euro schüttete sie zuletzt 12,50 Euro je Aktie aus. Anders als bei den Autowerten beruht diese Rendite nicht auf einem Kurseinbruch, sondern auf einer Phase operativer Stärke.

Der Rückversicherer profitiert von einem sogenannten harten Markt. Die Prämien für Rückversicherungsschutz sind deutlich gestiegen. Hinzu kommen höhere Zinsen, die die Kapitalanlageergebnisse stützen. Beides untermauert die Ausschüttungskraft.

Die Dividende setzt sich häufig aus einer Basisdividende und einer Sonderdividende zusammen, wenn die Kapitalausstattung die internen Vorgaben übertrifft. Das verschafft dem Konzern Flexibilität. Selbst bei hohen Schadenlasten durch Naturkatastrophen blieben die Ergebnisse profitabel.

An der Börse läuft es zuletzt weniger rund. Der Kurs liegt heute bei 249,00 Euro und damit 11 Prozent unter dem Hoch vom April. Die Volatilität bleibt aber überschaubar, was das defensive Profil unterstreicht. Der Markt traut dem Unternehmen zu, von der anhaltenden Nachfrage nach Risikotransfer zu profitieren. Die Ertragslage gilt als stabil. Großschäden bleiben der Unsicherheitsfaktor, der die Gewinnrechnung kurzfristig belasten kann.

Münchener Rück: Kontinuität als Markenzeichen

Mit 4,8 Prozent landet die Münchener Rück auf Rang vier. Die Ausschüttung beträgt 24 Euro je Aktie und ist damit der höchste Nominalbetrag im Ranking. Der Schlusskurs lag bei 501,60 Euro. Der Konzern steht für Dividendenkontinuität und hat die Zahlung seit Jahrzehnten nicht gesenkt.

Die Treiber ähneln jenen der Hannover Rück. Eine disziplinierte Zeichnungspolitik und bessere Konditionen im Erneuerungsgeschäft sorgen für solide technische Ergebnisse. Aktienrückkäufe ergänzen die Kapitalrückführung und stützen den Gewinn je Aktie. Die Rendite ist das Ergebnis eines hohen Kurses in Kombination mit einer deutlichen Anhebung der Ausschüttungssumme.

Aktuell gibt die Aktie nach. Mit 494,80 Euro liegt sie 14 Prozent unter dem Hoch vom Oktober des Vorjahres. Der Rückgang fällt moderat aus, vergleicht man ihn mit den Verlusten bei VW und Porsche SE.

Am Markt überwiegen Kaufempfehlungen. Das Vertrauen in Management und Kapitalstärke ist hoch, die Aktie gilt vielen als Basisinvestment im Dividendenbereich. Ein Punkt verdient Beachtung: Das gewaltige Anlageportfolio reagiert auf Finanzmarktschwankungen. Das wirkt auf das Eigenkapital und damit indirekt auf die Spielräume für Ausschüttungen.

Daimler Truck: Industrieprofil statt Autokrise

Daimler Truck rundet die Top 5 mit 4,6 Prozent ab. Zuletzt flossen 1,90 Euro je Aktie an die Aktionäre, der Schlusskurs lag bei 41,66 Euro. Seit der Abspaltung von der Mercedes-Benz Group hat sich der Konzern als eigenständiger Akteur etabliert und verfolgt eine aktionärsfreundliche Kapitalallokation. Die Rendite spiegelt gestiegene operative Margen, vor allem in Nordamerika und Europa.

Im Vergleich zu den Pkw-Herstellern gilt Daimler Truck als reineres Industrieinvestment. Der Konkurrenzdruck durch chinesische Anbieter im Volumensegment fällt geringer aus. Gleichzeitig fließt viel Geld in CO2-neutrale Antriebe, batterieelektrisch wie wasserstoffbasiert. Die Dividende gilt als Ausdruck einer soliden Bilanz und eines robusten Free Cashflows.

Heute legt die Aktie 0,4 Prozent auf 41,84 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12 Prozent zu Buche. Damit ist Daimler Truck der einzige Wert der Gruppe mit positiver Jahresbilanz. Die vergangenen 30 Tage verliefen allerdings schwächer, mit einem Minus von 9,3 Prozent.

Die Einschätzungen sind mehrheitlich positiv. Hervorgehoben werden greifende Effizienzprogramme und eine stabile Preismacht trotz abkühlender Konjunktur. Die Zyklizität des Transportgeschäfts bleibt der wunde Punkt. Sinkende Frachtraten oder zurückhaltende Speditionen würden die Gewinne und damit die Dividendenkapazität treffen.

Sektordynamik: Zwei Renditelogiken im selben Ranking

Die fünf Werte lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  • Autowerte als Kursopfer: Volkswagen und Porsche SE führen das Ranking an, weil ihre Kurse seit Jahresbeginn zweistellig gefallen sind. Beide notieren nahe ihrer Jahrestiefs.
  • Rückversicherer als Qualitätsanker: Hannover Rück und Münchener Rück stützen ihre Ausschüttungen auf harte Märkte und höhere Zinsen. Die Kursschwankungen fallen deutlich geringer aus.
  • Daimler Truck als Sonderfall: Der Nutzfahrzeughersteller steht als einziger der fünf seit Jahresanfang im Plus und bietet ein industrielles Profil ohne direkte Pkw-Krise.
  • Tagesbild: Heute geben vier der fünf Titel nach, am stärksten die Münchener Rück mit 1,4 Prozent. Daimler Truck ist die Ausnahme.

Rendite-Ranking zwischen Kursschwäche und Substanz

Die hohe Rendite bei Volkswagen und Porsche SE ist vor allem ein Spiegel der Kursschwäche. Ob die Ausschüttungen auf diesem Niveau bleiben, hängt vom Cashflow ab. Dieser muss Transformation und Dividende gleichzeitig finanzieren. Bei den Rückversicherern entscheidet vor allem die Schadenentwicklung, ob die Ertragsstärke anhält. Daimler Truck wiederum steht und fällt mit der Konjunktur im Transportgewerbe.

Wer die Liste liest, sollte also nicht nur auf die Prozentzahl schauen. Dieselbe Rendite kann auf einem gesunden Geschäftsmodell oder auf einem eingebrochenen Kurs beruhen. Welche der beiden Geschichten sich fortsetzt, zeigen die kommenden Quartalszahlen.

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Volkswagen Aktie

69,92 EUR

– 0,52 EUR -0,74 %
KGV 6,85
KUV 0,11
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 7,40 %
Marktkapitalisierung 35,05 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,62 EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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