Zweifel am KI-Boom bremsen Dollar und Tech-Werte
Skepsis gegenüber der Rentabilität von KI-Ausgaben belastet Technologiewerte, während Anleger in Staatsanleihen und defensive Aktien wechseln.

Kurz zusammengefasst
- CoreWeave-Anleihen zeitweise unter 80 Cent
- Börsenfinanzierung in Asien um 4,6 Prozent gesunken
- Zehnjährige US-Rendite fiel auf 5,08 Prozent
- FTSE 100 erreichte ein Siebenwochenhoch
Zweifel an der Rentabilität gigantischer Investitionen in künstliche Intelligenz erreichen die globalen Finanzmärkte. Weil Investoren zunehmend fürchten, dass Betreiber von Rechenzentren ihre rasant wachsenden Schuldenberge nicht schnell genug erwirtschaften können, geraten Technologieaktien unter Verkaufsdruck. Die wachsende Skepsis drückt zugleich die Renditen von Staatsanleihen und stoppt vorerst die Rally des US-Dollars.
Der US-Dollar steuert auf seinen ersten wöchentlichen Rückgang seit fünf Wochen zu. Bislang hatte gerade der amerikanische Technologieboom die Leitwährung gestützt. Sollte der Markt nun einen anhaltenden Rückgang der Investitionen einpreisen, könnte sich diese Stütze zügig auflösen.
Kapitalbeschaffung gerät ins Stocken
Die Nervosität greift spürbar auf die Kreditmärkte über. Anleihen des Rechenzentrumsbetreibers CoreWeave fielen zeitweise unter 80 Cent je Dollar und damit in den Bereich notleidender Papiere, ehe eine Gegenbewegung einsetzte. Zeitgleich kletterten die Kosten für Kreditausfallversicherungen führender KI-Konzerne auf Rekordstände. In Asien verzeichnete der südkoreanische Leitindex KOSPI binnen Wochenfrist Verluste von 20 Prozent, während der japanische Nikkei 5 Prozent einbüßte.
Am Markt für Unternehmensfinanzierungen hinterlässt die Neubewertung deutliche Spuren. Zwar blieben Fusionen und Übernahmen bei asiatischen Rechenzentren mit 21,3 Milliarden Dollar im bisherigen Jahresverlauf robust. Die Aufnahme von Eigenkapital über die Börse ging jedoch um 4,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar zurück.
Mehrere geplante Börsengänge von Infrastrukturbetreibern in Asien und den USA wurden verschoben oder abgesagt. Steigende Zinsen erhöhen die Hürden für Fremdkapital drastisch. Investoren schauen nun wesentlich genauer hin, ob hoch verschuldete Anbieter tragfähige Ertragsmodelle vorweisen können.
Umschichtung in Anleihen und Standardwerte
An den westlichen Märkten wandelte sich der Schock rasch in eine breite Branchenrotation. Anleger suchten Zuflucht in US-Staatsanleihen und drückten die Rendite zehnjähriger Papiere am Donnerstag um 10 Basispunkte auf 5,08 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank parallel dazu um 11 Basispunkte auf 3,35 Prozent.
Während Technologieaktien schwächelten, legten defensive Werte in Europa und den USA zu. Der britische Leitindex FTSE 100 erreichte getrieben von Pharma- und Konsumtiteln ein Siebenwochenhoch. Der Euro erholte sich im Gegenzug zur Dollarschwäche leicht auf 1,1210 Dollar, nachdem er zuvor auf ein 17-Monats-Tief gefallen war.
Für den weiteren Zinspfad der Notenbanken rückt nun die Haltung der Federal Reserve in den Mittelpunkt. Am Zinsterminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank ihren Leitzins Ende Oktober unverändert lässt, derzeit bei 72 Prozent — vor einem Monat waren es lediglich 53 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh bietet sich bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Bangkok die Gelegenheit, vor der anstehenden Zinssitzung richtungsweisende Signale zu senden.
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